Welche Vorlage vorhanden ist
Ein gerader Gesimsabschnitt lässt sich über seinen Querschnitt aufnehmen. Für wiederkehrende Ornamente kann ein intaktes Original als Vorlage für eine Form dienen. Ist keines mehr vorhanden, helfen beschriftete Fragmente, alte Fotos oder Zeichnungen. Je weniger erhalten ist, desto mehr Entwurfsarbeit muss vor der Fertigung vereinbart werden.
Fotografieren Sie die Fehlstelle und vergleichbare erhaltene Teile. Geben Sie die ungefähren Abmessungen und die benötigte Stückzahl an. Bewahren Sie bereits geborgene Fragmente auf; betreten Sie dafür keinen gefährdeten Bereich.
Ein Beispiel für eine begründete Ergänzung liefert das Haus Zum Papagei in St. Gallen. Die verlorene Eckkartusche konnte mangels Dokumentation nicht originalgetreu rekonstruiert werden. Stattdessen fertigte man einen Abguss einer erhaltenen Kartusche aus einer anderen Raumecke. Klären Sie, ob die geplante Ergänzung auf einem Original, einem Foto oder einer neuen Gestaltung beruht.
Dokumentierter Fall: Denkmalpflege St. Gallen, Haus Zum Papagei (2020)
Das Muster vor der Ergänzung prüfen
Ein Muster zeigt, ob Grösse, Relieftiefe und Oberfläche zum Bestand passen. Gerade bei mehrfach überstrichenem Stuck kann ein neuer, scharfkantiger Abguss anders wirken als die Umgebung. Klären Sie deshalb, welche Oberfläche die Ergänzung erhalten soll.
Bei Schutzobjekten wird das Vorgehen mit der zuständigen Fachstelle abgestimmt. Halten Sie fest, welche Teile neu hergestellt werden und wie die Ergänzung dokumentiert wird. Eine Rekonstruktion ohne ausreichende Vorlage enthält gestalterische Entscheidungen, die vorab besprochen werden sollten.